Interview F. Siegenthaler
1. Als Du in Brugg am 02.05.1988 als Tennistrainer gestartet bist, hättest Du damals gedacht, dass Du so lange im TCB unterrichten würdest?
Im Prinzip schon, ich war schon früher in anderen Clubs jeweils länger tätig. Ich bin einer der die Konstanz mag. Es passte einfach alles und ich habe mir diesbezüglich gar nie so grosse Gedanken gemacht.
2. Was macht es aus, dass es Dir im TCB so gut gefällt?
Ich hatte mal ein Angebot für einen Clubwechsel, das ich dann aber ausschlug. Ich entschied mich für Brugg da der Club kleiner ist und die selben Zukunftsaussichten dahinter stecken. Hier kann ich meine Funktion als Trainer voll ausleben. Ich mag das Kommerzielle nicht besonders. In Brugg kann ich auch meine Sozialen Kompetenzen einbringen und ich habe im Allgemeinen mehr Möglichkeiten meine Ideen umzusetzen.
3. Was hat sich im Laufe der Zeit als Trainer im TCB verändert?
Ich bekam immer wie mehr Funktionen. Ich wurde Spielleiter und Juniorenobmann. Die Junioren sind professioneller geworden, sie trainieren mehr. Die Anforderungen an den Trainer sind ebenfalls gestiegen. Seit ca. drei Jahren habe ich auch realisiert, dass es wichtig ist, sich auch als Trainer mit allen Clubmitgliedern zu beschäftigen, informieren, transparent bleiben und sozial engagieren. Ich denke viel mehr auch an diese Eigenschaften, da ich bei anderen Clubs gesehen habe, was passiert, wenn das nicht funktioniert.
4. Was gefällt Dir an deinem Job?
Die Vielseitigkeit. Ich gebe Unterricht in allen Alterskategorien von 5-65 Jahren und vom Profispieler bis zum Hobbyspieler. Die jeweiligen Trainingsmethoden und Umgangsformen sind dabei total unterschiedlich.
5. Wie hat sich der Tennis Club Brugg über die Jahre verändert?
Wir haben keine Nati A und B mehr. Zu den damaligen Zeiten waren alle wie wild engagiert. Jetzt ist es etwas ruhiger geworden, wobei nicht die Junioren schlechter sind. Der Leistungsdruck existiert immer noch aber die Junioren brüsten sich nicht damit. Es ist viel mehr das Kerngeschäft welches floriert. Es gibt mehr Senioren, viele Interclubmannschaften und viele Frauen, die untereinander einen regen Tenniskontakt pflegen. Im Club haben wir viele Mitglieder ab 40 Jahren und die Junioren. Was heute fehlt, ist das Segment dazwischen.
Was auch noch interessant ist, ist die Tatsache, dass bei mir Junioren trainierten und 20 Jahre später immer noch an den Juniorentrainings teilnehmen, um ihre Wettkampfstärke zu behalten.
6. Was gefällt dir am Tennis Club Brugg so besonders?
Die Möglichkeit meine Arbeit so einzuteilen wie es mir passt. Ich habe meine Arbeitsfreiheit. Die Junioren sind leistungswillig. Dann natürlich die gute Infrastruktur: die 5 Aussenplätze und die 2 Hallenplätze, der Fitnessraum und die geografische Lage. Wir können von den guten Sportmöglichkeiten rundum profitieren mit der Finnenbahn und der Rundbahn.
Speziell gut funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Vorstand, welcher mir viel ermöglicht und mich bei meinen Ideen unterstützt.
7. Der Job als Trainer verlangt viel Engagement, wie kannst Du immer alles unter einen Hut bringen?
Das ist nicht immer ganz einfach, vor allem wenn man auch noch Familie hat. Aber ich lebe für das Tennis, ich habe nicht noch andere Hobbies denen ich nachgehen kann. Wenn ich Abends nach Hause komme, arbeite ich jeweils noch weit in die Nacht fürs Tennis.
8. Hast du Hilfstrainer die dich bei deiner Arbeit unterstützen?
Ja, das habe ich seit Jahren. Die grösste Unterstützung habe ich mit Brigitte Lüssi, sie unterrichtet bei den Erwachsenen. Das macht sie mit viel Energie. Im Juniorenbereich unterstützt mich Marc Scherrer, der die Junioren richtig fordert. Leider wird er ab Herbst nicht mehr unterrichten können. Viele junge Leiter helfen mir zusätzlich bei den Juniorentrainings. Seit kurzem ist als Tennistrainer Martin Koth für den TCB tätig.
9. Du hast als Trainer im Juniorenbereich einen ausgezeichneten Ruf, macht dich das einwenig Stolz?
Ja natürlich aber schlussendlich sage ich immer, es sind die Junioren, die Tennisspielen. Ich unterstütze im Training und im Umfeld. Meistens ist es eine sehr lange Zusammenarbeit zwischen den Junioren und mir, die weit über die Juniorenzeit hinaus geht.
10. Was waren deine grössten Erfolge in deiner Zeit als Trainer beim TCB?
Eindeutig die verschiedenen Schweizermeistertitel von Amra Sadikovic und Stefanie Vögele. Das Schönste war, als Stefanie und Amra an der Schweizermeisterschaft u18 gegeneinander im Final spielten. Ebenfalls ein grosser Erfolg war der Aufstieg einer ganz jungen Mannschaft in die Nationalliga B. Auch als Amra in der Qualifikation für das Zürich Open gegen Smashova WTA 84 gewonnen hat.
11. Auch im Ausbildungsbereich der Kondition bist du immer auf dem neusten Stand. Warum empfindest du es also ausgesprochen wichtig, für einen Tennisspieler, dass er konditionell und mental top ist?
Im Tennis musst du dich schnell über längere Zeit bewegen können, sonst hast du keine Chance. Dem mentale Bereich muss in der Zukunft immer mehr Beachtung geschenkt werden, da befinde ich mich gerade noch in einer Weiterbildung.
12. Ständige Weiterbildung und Aneignung der neusten Trainingstechniken ist das ein Muss?
Wenn ich mir überlege, was wir am Konditionstest früher und heute machen, ist das ein riesen Unterschied. Die Technik mit Computer etc. hat Fortschritte gemacht und das probiere ich auch zu nutzen. Wenn ich da nicht mitgehe, bin ich einer von Vielen. Aber auch die Ideen müssen sich weiterentwickeln.
13. Stefanie Vögele und Amra Sadikovic national und international erfolgreiche Spielerinnen haben bei dir trainiert, wie kamen sie zu ihrem Erfolg?
Amra trainiert immer noch bei mir und Stefanie wird von Swisstennis mit allen Mitteln gefördert. Beide haben schon als Kleine was ausgestrahlt, was andere nicht hatten. Zielstrebigkeit, Hartnäckigkeit und viel Freude am Tennis waren Voraussetzung.
14. Wie sieht deine Zukunft aus?
Ich möchte noch mind. 15 Jahre voll dabei sein und mit der Zeit nur noch das machen, wo ich das Gefühl habe dort bringe es am Meistens. Ich möchte nicht mehr jedes einzelne Training geben. Dann möchte ich einen geeigneten Nachfolger finden.
15. Reicht die Infrastruktur aus, um so viele Trainings durchführen zu können?
Diesen Winter mussten wir nach Leuggern expandieren, da sonst im Winter nicht alle Trainings durchgeführt werden konnten. Das klappte hervorragend.
16. Etwas, dass Du schon immer mal sagen wolltest?
Ohne Verständnis der Clubmitglieder und des Vorstandes geht gar Nichts. Umgekehrt müssen Clubmitglieder verstehen, wenn es keine Junioren gibt, wir innerhalb von 10 Jahren ein Problem bekommen. Dann hat man zwar viele freie Plätze zum Spielen aber weniger Junioren gefährden die Existenz vom Club. Ich habe ein Club vor Augen, der sich im Juniorenbereich ungenügend engagierte. Am meisten Freude habe ich, wenn die Plätze belegt sind und ein reger Betrieb herrscht.